Stadion-Projekt

“Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur” im Klagenfurter Stadion; Foto: Gerhard Maurer

Klaus Littmann, international tätiger Kulturunternehmer aus Basel, wird im Spätsommer/Herbst 2019 einen Wald im Klagenfurter Stadion pflanzen. Als Vorlage dazu dient ihm die Zeichnung des österreichischen Künstlers Max Peintner “Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur”, ein Werk, in dem der Maler bereits 1970 Umweltschutz und Waldsterben thematisierte und mit dem er Kunstgeschichte schrieb.

Littmann wird das Fußballfeld gänzlich mit einem Naturlaubmischwald bepflanzen. Von den Rängen aus können die Zuschauer bei freiem Eintritt das Baumspektakel Tag und Nacht – also auch bei Flutlicht – bestaunen. Die starke, surreale Ausdruckskraft der in die Wirklichkeit transformierten Zeichnung wird kaum zu steigern sein. Inspiriert von Joseph Beuys und Christo generiert der Schweizer mit dieser Arbeit nicht nur ein dreidimensionales Stillleben, eine ästhetische Intervention, deren Fotos weltweit publiziert werden, sondern nutzt auch die Kunst dazu, um einen Nachdenkprozess über Natur, Technologie, Ökonomie, Globalisierung, Klima und Umweltschutz auszulösen.

Eine Vision für Klagenfurt

Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz betont im Interview mit der Basler Zeitung das Visionäre am Projekt: Für sie verschmilzt das Stadion mit dem Wald zu einem weltweit einzigartigen Gesamtkunstwerk. Für Klagenfurt stellt das Kunstprojekt eine Möglichkeit dar, sich international als eine innovative, weltoffene, kunst- und umweltbewusste Stadt zu positionieren. Gleichzeitig bedeutet dieses Vorhaben einen weiteren Schritt in Richtung multifunktionaler Nutzung der Sportarena – ein Anliegen, das die Stadt seit Jahren verfolgt.

Klaus Littmann, Bgm. Maria-Luise Mathiaschitz und Max Peintner; Foto: Gerhard Maurer

Ein nachhaltiges Projekt

Das Gesamtkunstwerk soll Menschen aus der ganzen Welt ansprechen: Eine Reihe qualitätsvoller Begleitveranstaltungen werden die Inhalte des Projekts sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich thematisieren, z. B. im Rahmen eines Symposiums bzw. durch Ausstellungen in den Galerien der Stadt und mittels zeitgenössischer künstlerischer Interventionen im öffentlichen Raum. Nach Ablauf des Projekts werden die Bäume im angrenzenden Lakesidepark eingepflanzt und damit der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Keine Steuergelder von Stadt und Land

Klaus Littmann ist es gewohnt, seine Projekte ohne öffentliche Geldmittel zu finanzieren. Er wird weder bei der Stadt noch beim Land Kärnten um Subventionen ansuchen. Finanziert werden soll das Projekt (geschätzte Kosten 1,5 Millionen Euro) durch den Verkauf von 200 Baumpatenschaften, durch Mäzene, private Förderer und Stiftungen und mit Geld- und Sachleistungen von (inter)nationalen Unternehmen. Das Stadion wird dem Schweizer von der Stadt für einen Zeitraum von zirka zwei Monaten zur Verfügung gestellt. Er muss das Stadion »besenrein« (wie übernommen, inklusive erneuertem Rasen) zurückgeben.

Die Rolle der Lendhauer

Klaus Littmann kam über Umwege nach Klagenfurt. Der amerikanische Künstler Brad Downey hat für das Lendspiel 2013 die Installation “Fountain” realisiert. Ein altes, verrostetes Waffenrad der Firma Steyr wurde zum Springbrunnen umfunktioniert und im Hafenbecken aufgestellt. Zusätzlich zur temporären Installation “Fountain” setzte Downey auch die Arbeit “Barricades” um. An vier Orten in Klagenfurt arrangierte er fünfzig rot-weiß-gestreifte Scherengitter zu einer beeindruckenden Formation, die fotografisch dokumentiert wurde.

Barricades, Brad Downey, 2014; Foto: Gerhard Maurer

Im Herbst desselben Jahres wurde das Fahrrad nach Basel transportiert und in einem von Klaus Littmann kuratierten Skulpturenpark ausgestellt. Dort hat Downey dem Schweizer Kunstunternehmer auch ein Foto aus der Serie “barricades” mit dem Stadion als Kulisse gezeigt. Littmann ist nach Klagenfurt gereist, hat mit den Lendhauern Kontakt aufgenommen und sie für sein Projekt begeistert. Seit damals unterstützt und begleitet der Verein den Schweizer bei seinem Vorhaben.
Seit Beginn im Team ist auch der St. Veiter Landschaftsgärtner Klaus Schulze Zumloh, Experte für Sportplatzbau und Großbaumverpflanzungen mit internationaler Erfahrung. Als technischer Projektleiter ist er verantwortlich für die Planung, Kalkulation und Umsetzung.

www.klauslittmann.com
www.bioeschenhof.at